
21ter Tag des Blütentau, 415 n.B.
Ich beobachtete den jungen Mann schon eine Weile, aus sicherer Entfernung natürlich. Er schien so ganz anders als all jene, die die alte Pflasterstraße normalerweise entlanggeritten kommen. Anders schon allein dadurch, dass er offensichtlich kein Pferd besaß, sondern sich zu Fuß auf den Weg gemacht hatte. Niemand sonst wagte das. Er schritt leichtfüßig wie ein Wanderer den kleinen, mit alten, verwitterten Steinen übersäten Hügel hinauf, ganz so, als sei er nur auf einem kurzen Abendspaziergang unterwegs. Erstaunlicherweise zeigte er weder Furcht noch Eile, welche üblicherweise die Durchreisenden antrieben. Am höchsten Punkt angekommen, blieb er einen Moment stehen, schaute beidseitig die Straße hinunter und machte einen recht zufriedenen Eindruck. Offensichtlich hatte der junge Mann vor, sich dort niederzulassen, zumindest für eine kurze Rast.
Was für ein Wahnsinniger, war mein erster Gedanke. Ich durchstreifte nun bereits seit einigen Tagen die Vergessenen Lande und bekam dabei reichlich Gelegenheit, mehrere Wagemutige zu beobachten, die es in die Wilde Ebene verschlagen hatte. Obwohl sie sehr unterschiedlich waren, manche stark gepanzert, andere bis an die Zähne bewaffnet, die meisten beides, vereinte sie offensichtlich alle ein Gefühl. Angst.
Der junge Mann auf dem Hügel schien davon aber komplett befreit zu sein. Sorglos setzte er sich ins frische Gras an einen hochkantigen Stein, öffnete seinen Rucksack und begann in aller Ruhe, darin herumzuwühlen.
Mittlerweile alterte der Tag unaufhaltsam und schickte sich an, der Nacht Platz zu machen. Die glutrote Sonne warf immer längere Schatten über das Land, tauchte die schier endlose Savanne in warmes Orange und gab somit den geheimen Startschuss für all jene, die vorzugsweise nachts zu jagen pflegen.
Ignoriert man für einen kurzen Augenblick die wilden Bewohner dieses Landstrichs, welche sich bereits gut getarnt und hungrig um ihn scharten, konnte er sich keinen schöneren Platz aussuchen, um zu rasten. Sein kleiner Hügel, der eher einem aufgeschütteten und üppig bewachsenen Erdwall glich, bot eine ausgezeichnete Aussicht auf die nähere Umgebung. Dieser sah man deutlich an, dass hier schon seit vielen, sehr vielen Jahren kein Mensch mehr seine kultivierenden Hände im Spiel gehabt hatte. Weite, von geruhsamen Bächen durchzogene Wiesen, immer wieder aufgelockert durch sanfte Erhebungen, geduckte Büsche und winzige Seen. Manche davon nur größere Pfützen, gerade tief genug, um sich darin die wundgewanderten Füße zu kühlen. Andere kann man dagegen schon wohlwollend als Tümpel oder gar ansehnliche Teiche bezeichnen, in denen es durchaus möglich ist, ein paar Runden zu schwimmen. Zumindest, wenn einem nicht besonders viel am Leben liegt oder man eine dicke Haut besitzt.
Auch in dieser Welt gibt es summende und stechende Plagegeister, hier als Gelbmücken bekannt und deutlich gefährlicher als ihre vergleichsweise harmlosen Verwandten anderswo. Nein, so wildromantisch diese Gegend auch wirken mag, touristenfreundlich ist sie auf keinen Fall. Dafür aber atemberaubend schön, wenn man sich die Zeit nimmt, sie in aller Ruhe zu studieren.
Derweil hatte der Mann mehrere Holzscheite ausgepackt und sauber neben sich gestapelt, machte aber keine Anstalten, sie zu einem Lagerfeuer aufzuschichten und anzuzünden. Es hätte ihm auch nichts genützt; die Wilden in dieser Gegend fürchten Feuer nur wenig, das wurde mir in den letzten Tagen bewusst. Dann setzte er sich, zog die Beine an den Körper und blickte verträumt der untergehenden Sonne entgegen. Einige Augenblicke schien er vollends gedankenversunken zu sein und ignorierte die schwelende Gefahr, welche ihn von allen Seiten wie eine dicke Nebelwand umgab.
Es dauerte nicht lang, bis hinter mir Hufschläge erklangen, die zusammen mit dem dazugehörigen Tier eilig der alten Straße folgten. Dem Klang nach ein kräftiges Ross, mit geübtem Reiter im Sattel, vermutlich ein Söldner auf dem Weg nach StropTon. Als er an mir vorüberzog und am Fuß des Hügels anlangte, drosselte er sein Tempo abrupt und kam wenige Schritte später zum Stillstand. Eher widerwillig, da die Sonne schon bedrohlich weit hinter den Bergen versank, aber dennoch sichtbar besorgt um das Wohlergehen und den Geisteszustand des Hügelbesetzers.
»Was in Muris Namen tust du da?«, schallte es aus dem halb geschlossenen Visier heraus, mit einer Stimme, die verriet, dass der vermeintliche Reiter eher eine Reiterin sein musste.
Leider ließ die feste Panzerung keinerlei Attribute erkennen, welche eine eindeutige Geschlechtsbestimmung ermöglichten. Sollte es sich tatsächlich um ein weibliches Exemplar handeln, dürfte ich damit schon die zweite Überraschung des Abends verbuchen.
Bewaffnete Söldnerinnen sind, nach allem, was ich bisher wusste, eher spärlich gesät in dieser Gegend. Das liegt natürlich nicht an ihrer mangelnden Kampfkraft, da stehen sie den meist geringer bebrüsteten Kollegen in nichts nach. Es gibt heute einfach nur noch wenige Frauen, die sich für diese Arbeit begeistern können. Auch in den Landen haben manche Gewerbe offensichtlich mit Fachkräftemangel zu kämpfen.
»Einen schönen guten Abend wünsch ich auch, gnädige Dame!«, warf der junge Mann der mutmaßlichen Frau im Sattel fröhlich und unverschämt sorglos seine Begrüßung entgegen.
»Also, das ist doch – bist du komplett übergeschnappt?«, schoss es unter dem Visier hervor. »Hast du eine Ahnung, in welcher Gefahr du dich hier befindest?«
Die Reiterin zeigte sich alles andere als entspannt und tat es damit dem Pferd unter ihr gleich. Ein Goldgelber Fliederling, mitten in der Wilden Ebene, was für ein seltsames Bild. Diese wunderschöne Züchtung durfte ich bisher nur in gemalter Form auf der Außenwand des städtischen Gestüts in AbleTon bewundern. Nimmt man es ganz genau, hatte die Söldnerin da eine Kreuzung zweier an sich schon enorm wertvoller Pferderassen unter sich. Vermutlich handelte es sich bei ihr also eher um den Überbringer als Besitzer des edlen Tieres, denn der Preis für ein Exemplar wie dieses überstieg ihr Gehalt sicher um ein Vielfaches. Zudem wirkte das Pferd ungewöhnlich gut gepflegt, fast makellos, und bildete damit einen deutlichen Kontrast zu der Frau im Sattel.
Ihre Rüstung wies nicht nur großflächige Beulen und Schrammen auf, auch einige grobe, tiefe Kratzer konnte ich ausmachen, welche sicher auf Tiere dieser Gegend zurückzuführen waren. Die stolze Trägerin hatte sie zudem an manchen Stellen mehr schlecht als recht ersetzt und geflickt. Wenn man sich aus dem reichhaltigen, aber nicht immer korrekt passenden Fundus gefallener Schlachtenbummler bedienen muss, darf man eben nicht wählerisch sein.
Der junge Mann hingegen schien komplett ungeschützt, mal abgesehen von einer robust wirkenden Hose und einem leicht verschlissenen Ledermantel. Unter diesem lugte am Halsansatz eine hochkragige, offenbar gut gefütterte Weste hervor, die ihren Träger besser vor kälteren Tagen und Nächten schützte, als es der dünne Mantel allein vermocht hätte. Seine Kleidung war darauf ausgelegt, dem launischen Wetter in dieser Region zu trotzen. Gegen blutrünstige Angriffe der hiesigen Fauna konnte das aber bei weitem nicht genügen.
Er erhob sich freundlich lächelnd, rieb seine Handflächen aneinander, um sie vom Schmutz zu befreien, und trat einen Schritt nach vorn.
»Es ehrt mich, dass Sie sich Sorgen um mein Wohlergehen machen, aber ich versichere Ihnen, dazu besteht absolut kein Grund. An Ihrer Stelle würde ich aber nicht so lange an diesem Ort verweilen, hier wimmelt es von Grinks. Kommen Sie, hier oben sind Sie in Sicherheit!«, rief er, winkte sie herauf und wartete ihr weiteres Verhalten ab.
Bei dem Wort „Grink“ zuckte die Reiterin reflexartig zusammen, warf einen erschrockenen Blick über ihre Schulter und gab dem Drängen des Pferdes nach. Im anmutigen Kaltblut unter ihr kochte innerlich Panik hoch, deutlich zu sehen in seinen weit aufgerissenen Augen, die sich nach allen Seiten umsahen. Nur eine Vorahnung, dass hier gleich die Hölle entbrennen könnte, oder hatte das Pferd schon mehr Erfahrungen mit diesen Biestern gesammelt, als man ihm zutrauen mochte?
Inzwischen brach die Nacht mit aller Macht und Schwärze herein. Die letzten, mattgoldenen Sonnenstrahlen verschwanden hinter einer zerfaserten Wolke am Horizont und läuteten gleichzeitig die Jagdsaison ein. Noch ehe sich Reiterin und Ross entschließen konnten, die Flucht zu ergreifen, näherten sich bereits aus drei Richtungen hüfthohe Wesen mit leuchtend weißen Augen. Sie schälten sich so lautlos und plötzlich aus der hereinbrechenden Dunkelheit, als wären sie vorher komplett mit der Landschaft verschmolzen gewesen.
Die Reiterin stieß einen wilden Schrei aus. Ob aus nackter Angst oder um die Feinde zu verwirren, spielte keine Rolle, da er ohnehin wirkungslos verhallte. Entweder die Biester verfügten über ein mieses Gehör, oder sie hatten sich an menschliche Todesschreie schon gewöhnt.
Spontan tippe ich auf Letzteres; nicht ohne Grund stehen an den Grenztoren zur Wilden Ebene große Warnschilder, die unter anderem auch recht originalgetreu skizzierte Grinks aufzeigen. Was man dort allerdings nicht erfährt, ist, dass diese Wesen offenbar eine Art hypnotischen Gesang entwickelt haben, der nun aus zwanzig oder mehr kleinen Kehlen anschwoll. Erst leise, dann immer lauter, eindringlicher; nicht unangenehm, eher sedierend und einlullend.
Das Pferd wurde augenblicklich ruhiger. Man konnte sehen, wie die fein definierten Muskeln, eben noch bis zum Zerreißen angespannt, erschlafften und kraftlos wurden. Der entsetzten Reiterin auf seinem Rücken erging es nicht anders. Nun sollte es also wieder einmal an mir sein, rettend einzugreifen. An dieser Stelle möchte ich den Neuen Rat und vor allem den Obersten Lektor Juis bitten, meine Einmischung zu entschuldigen. Sie werden sicher verstehen, dass ich die Protagonistin nicht einfach dort ihrem Schicksal überlassen konnte. Es stand sichtbar schlecht um die Reiterin und mit jeder Sekunde schwanden ihre Überlebenschancen. Davon musste ich jedenfalls ausgehen. Außerdem fing es gerade an, interessant zu werden. Da konnte ich es nicht zulassen, dass einer der beiden schon zu Beginn meiner Aufzeichnungen Blutsaugern zum Opfer fällt.
Ich kramte also geschwind das Oppanol aus meiner Tasche, ließ es kurz aufladen, betätigte den Auslöser – und produzierte dadurch einen erstaunlich lauten Knall. Da ich auf einem kleinen, halb verwitterten Baum saß, nur gut fünfzehn Schritt von ihnen entfernt, bahnte sich der Schall ungehindert seinen Weg und traf die verkümmerten Ohren der erbärmlichen Kreaturen mit voller Wucht. Sie hielten kurz inne, ihr Sirenen-Gesang verstummte und plötzlich sah ich zwanzig sternenweiße Augenpaare auf mich gerichtet.
Auch die beiden Menschen erschraken, was zum einen die Reiterin wieder ins Hier und Jetzt zurückholte und zum anderen den jungen Mann in meine Richtung schauen ließ. Sicher konnte er mich nicht sehen, aber für einen Moment hatte ich dennoch das Gefühl, dass wir Blickkontakt aufnahmen. Dann ergriff er seine Chance und mahnte die Reiterin noch einmal mit straffen, lauten Worten, die er durch wildes Gefuchtel mit den Armen noch verstärkte.
»Kommen Sie schnell! Hier oben ist es sicher!«, rief der Mann von seiner Anhöhe herunter.
Die Reiterin wägte offenbar ab, wie ihre Chancen unten auf der Straße gegenüber dem Hügel sein mochten, und entschloss sich spontan für seinen Vorschlag. Egal, was sie dort oben erwarten mochte, strategisch war es zumindest die bessere Position, um sich zu verteidigen.
Die Grinks hatten sich indes gefangen und strömten nun, wieder im Singsang vereint, auf die vermeintliche Beute zu, welche nun den Hang hinaufritt. Sie hatten die mit alten, verwitterten Steinen übersäte Zuflucht der Eindringlinge bereits großflächig umstellt. Nun gab es kein Entrinnen mehr. Zwei gesunde Menschenkörper und dazu noch ein prächtiges Pferd, das musste ihr Glückstag sein!
Im selben Moment, als sich Reiterin und Ross anschickten, den Hügel herauf zu galoppieren, berührte der seltsame Mann mit der Fingerspitze etwas mattgrün Schimmerndes in seiner Hand. Sogleich ertönte ein leises, gedämpftes, aber umfassendes »PFLOMP«. Nur wenige Augenblicke später langten Pferd und Frau schon keuchend bei ihm an. Drei Schritte hinter ihnen sprangen bereits die ersten Vampirzwerglinge auf sie zu, mit immer lauter werdendem Gesang, die dürren Arme weit ausstreckend, um nach ihrer Beute zu greifen. Auch von der rechten Seite sah ich im gleichen Moment mehrere unheimliche Augen im Halbdunkel aufglimmen und von meiner Position aus konnte ich auch vier oder fünf Wesen erkennen, die sich im Rücken des Mannes zur Spitze vor kämpften.
Der Singsang schwoll derweil immer weiter an, vereinte sich zu einem ohrenbetäubenden Meer aus wellenförmig dahin wabernden Tönen, drang in jedes noch so kleine Hörorgan und begann, alles im Umkreis einzuschläfern. Allein der junge Mann war noch Herr seiner Sinne und nahm seelenruhig den Finger wieder vom leuchtenden Etwas, als Frau und Pferd an seiner Seite standen. Doch nur wenige Schritte hinter ihnen kam bereits ein sportlicher Grink herangerannt und streckte den dürren langen Arm nach der Reiterin aus.
Für einen kurzen Moment schien alles stillzustehen. Ich konnte jede Einzelheit in fast überirdischer Klarheit erkennen – die entsetzten Augen der Frau durch das Visier hindurch, den dornenartigen, blutverkrusteten Saugstachel an der Hand des Grinks, die abstoßend weißen, wie kaltes Mondlicht glimmenden Augen seiner Mitstreiter und die Hand der Kämpferin, welche bereits die Schusswaffe an ihrer Hüfte umklammerte.
Dann gab es ein kurzes, aber heftiges »PMOLFP« und im selben Augenblick flog der erste Blutsauger im hohen Bogen rückwärts den Hügel hinunter. Dort blieb er regungslos liegen, erhielt aber sogleich Gesellschaft von zwei weiteren Artgenossen, welche dasselbe Schicksal ereilt hatte. Wie von einem wilden Orkan erfasst, stoben die kleinen Wesen nach allen Seiten davon, flogen in hohem Bogen durch die Luft, manche eher plump, andere fast schon elegant, und schlugen im Umkreis von gut hundert Schritt Entfernung unsanft auf dem Boden auf. Die, die Glück hatten, landeten im hüfthohen Bokkgras, die weniger Glückvollen mussten mit der gepflasterten Straße vorliebnehmen. Oder, noch unangenehmer, mit einem der vielen, verstreut liegenden Ruinensteine, die den Berg übersäten.
Ein Grink, der sich direkt vor mir an die Gruppe herangeschlichen hatte, sauste nun um Haaresbreite an meinem Baum vorbei. Im weiteren Flug streifte er nur knapp einen schlafenden Braunkloom am rechten Ohr, um danach zielgenau auf dem daneben ebenfalls noch schlafenden Braunkloom-Weibchen zu landen. Die kurz darauf folgenden Geräusche hinter meinem Rücken ließen die Vermutung zu, dass in dieser Nacht mindestens ein Grink ein jähes und nicht unblutiges Ende fand.
Auch diese bärenähnliche Tierart hat es auf die großen Warntafeln geschafft, mit dem Hinweis: „Normalerweise friedlich, so lange man auf Distanz bleibt.“ Kloome gelten gemeinhin als genügsam, aber wenn es um ihre Weibchen geht, verstehen Braunkloom-Männchen offenbar keinen Spaß.
Die Reiterin sprang geschickt aus dem Sattel und legte instinktiv ihre Hände auf die Ohren, um dem betäubenden, schwächer werdenden Grink-Singsang zu entgehen. Dem Pferd daneben konnte man ansehen, dass es bedauerte, dieses aus anatomischen Gründen nicht auch tun zu können. Nur der junge Mann, welcher es sich nun wieder entspannt im Schneidersitz an seinem alten, verwitterten Stein gemütlich machte, schaute gelassen auf das Chaos, das er angerichtet hatte.
Die Grinks, zumindest jene, die noch aus eigener Kraft stehen konnten, sahen erschrocken und verwirrt um sich. Einige wenige sannten offenbar auf Rache für diesen hinterhältigen Angriff.
Allerdings erwies sich nur ein einziges Exemplar als mutig und gleichzeitig töricht genug, diesen Plan auch in die Tat umzusetzen. Es kam auf allen Vieren den Berg hinaufgerannt, seinen Blick voll rasender Wut auf die Menschen gerichtet, welche es gewagt hatten, sich zu wehren – und prallte unsanft an einer unsichtbaren Barriere ab.
Das Geräusch, das dabei entstand, glich erstaunlicherweise genau dem, welches ich in einem früheren Werk schon einmal ausführlich beschrieben habe. Darin geht es um Menschen in der ersten Welt, die Bekanntschaft mit dem sogenannten Starkstrom machen.
Im konkreten Fall hatte der Kontakt mit der Barriere zur Folge, dass der Grink danach nicht nur, wie seine Blutsgenossen, den Berg hinuntergeschleudert wurde. Es verbreitete sich außerdem sogleich ein beißender Gestank, der nach verkohltem, filzigem Fell roch. Wenn der Gesang dieser Biester alles und jeden in Trance fallen lassen konnte, so vermochte es der Geruch von angesengtem Grink, einen von dort wieder im Handumdrehen herauszuholen.
Selbstzufrieden lehnte der Mann an seinem Stein, machte es sich dort noch etwas gemütlicher und wartete geduldig darauf, dass Pferd und Reiterin sich beruhigten. Während das beim Tier erstaunlich schnell ging, dauerte dieser Vorgang bei seiner Reiterin etwas länger. Sie schaute sich noch immer mit gezogenem Revolver verwirrt nach allen Seiten um und begriff nicht, wie der Mann das angestellt hatte. Derweil begann das edle Tier, friedlich hinter dem Stein zu grasen, an dem er lehnte. Schließlich war es ja eine Zeit lang in gutem Tempo durch die Ebene galoppiert und nun dementsprechend hungrig.
Nebenbei warf es hin und wieder argwöhnische Blicke auf die fliehenden Grinks, welche teils flinken Fußes, teils humpelnd, hinkend und sich mühsam schleppend versuchten, Abstand zu schaffen. Die Wilde Ebene bietet massenweise andere große und kleine Tiere, die man ertragreich anzapfen kann, auch wenn ich vermute, dass Menschenblut für die Biester eine besondere Köstlichkeit darstellt. Aber dafür zu sterben oder übel verstümmelt zu werden, lohnt sich hinwiederum nicht. So verschmolzen sie einer nach dem anderen mit der Nacht und auf der Ebene kehrte vorerst wieder Friede ein.
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